Problem Neophyten
Hinweise zum Umgang mit nicht heimischen Pflanzen
Neophyten sind Pflanzen, die erst nach der Entdeckung Amerikas zu uns gelangten. Entweder wurden sie absichtlich – meist als Zierpflanzen - importiert oder unabsichtlich als blinde Passagiere des globalen Güterverkehrs eingeschleppt. Die meisten der Neuankömmlinge können sich nur für kurze Zeit halten und verschwinden schnell wieder. Einige wenige schaffen es, sich dauerhaft zu etablieren. Auch von diesen Arten sind die meisten völlig harmlos. Einzelne jedoch breiten sich massiv aus und erobern innerhalb kurzer Zeit große Areale.
Probleme durch invasive Neophyten
Invasive Neophyten verursachen vielfältige Probleme, die enorme Kosten nach sich ziehen:
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Das massive Auftreten führt oft zu erhöhtem Pflege- und Unterhaltsaufwand, zB entlang von Straßen oder Eisenbahnlinien. |
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An Gewässern können Neophyten den Hochwasserschutz beeinträchtigen. |
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In der Landwirtschaft treten sie als Unkräuter in Erscheinung. |
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In der Forstwirtschaft erschweren oder verhindern sie die Naturverjüngung auf Schlagflächen. |
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Manche Arten sind eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. |
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Wenn Neophyten heimische Pflanzen verdrängen und naturnahe Lebensräume überwuchern, sind sie ein Problem für den Naturschutz. Manche Arten breiten sich so stark aus, dass sie sogar das Landschaftsbild verändern können. |
Alleine in Deutschland entstehen durch den Riesenbärenklau jährlich Kosten von 12 Millionen Euro, Japanknöterich und die Beifuß-Ambrosie verursachen sogar jährliche Kosten von je 32 Millionen Euro!
Hinweise zum Umgang mit Neophyten
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Frühzeitig reagieren und Vorkommen bekämpfen, solange die Bestände noch klein sind. |
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Bei großen Beständen zumindest Blüte und Samenbildung unterbinden und so eine weitere Verbreitung verhindern. |
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Bekämpfungsmaßnahmen müssen meistens wiederholt und über mehrere Jahre durchgeführt werden - den Erfolg kontrollieren und gegebenenfalls erneut bekämpfen. |
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Bei Pflegemaßnahmen anfallendes Pflanzenmaterial fachgerecht entsorgen. Besonders problematisch sind Samen von Riesenbärenklau und Ambrosie sowie Sprossteile des Japanknöterichs. Im Idealfall verbrennen oder in einer Biogasanlage verwerten. Auf keinen Fall im Hauskompost entsorgen. Auch in Großkompostieranlangen ist die Vernichtung von Samen und anderen ausläuferbildenden Pflanzenteilen nur gewährleistet, wenn ausreichend lange Temperatureinwirkungen von über 70 °C sichergestellt sind. |
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Viele Neophyten werden über Deponie- und Aushubmaterial verschleppt, deshalb kein Erdmaterial ausbringen oder verteilen, das Pflanzenteile oder Samen von Problempflanzen enthalten könnte. |
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Bei Bepflanzungen und Begrünungen auf keinen Fall neophytische Arten wie Stauden-Lupine, Weißer Hartriegel, Hybridpappel oder Robinie einsetzen. Auch in Gärten und Parks keine problematischen Neophyten anpflanzen und auf Schmetterlingsflieder, Kirschlorbeer, Götterbaum und Eschenahorn verzichten. |
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Schnittgut aus Gärten und Parks nie an Bachböschungen, Waldrändern oder in anderen naturnahen Lebensräumen deponieren. |
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Offene Böden, die durch Baumaßnahmen, Bewirtschaftung oder Baggerung entstehen, standortgerecht begrünen. Neuangelegte Pionierstandorte, die einer natürlichen Entwicklung überlassen werden, regelmäßig kontrollieren und aufkommende Problempflanzen sofort entfernen. |
Hinweise zu Maßnahmen gegen invasive Neophyten
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Japanknöterich
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Häufige Mahd oder Beschatten durch Gehölze schwächt die Bestände, bringt sie aber nicht vollständig zum Verschwinden. |
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Gute Erfolge lassen sich durch Beweidung mit Schafe und/oder Ziegen erzielen. |
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Beim Einsatz von Herbiziden (Glyphosat) bestehen große Chancen den Japanknöterich dauerhaft zum Verschwinden zu bringen. |
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Drüsiges Springkraut
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Einzelpflanzen und kleine Bestände jäten. |
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Größere Bestände vor der Blüte möglichst tief abmähen. |
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Entlang von Fließgewässern ist nur ein Vorgehen in Fließrichtung erfolgversprechend. |
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Riesenbärenklau
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Ein Entfernen des Blütenstands nach der Blüte und vor der Samenreife verhindert die Samenbildung und damit die weitere Ausbreitung. Der Riesenbärenklau verbreitet sich nur über die Samen. |
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Um die Pflanzen zum Absterben zu Bringen, ist Abstechen des Wurzelstocks im Frühjahr oder Herbst in etwa 15 cm Tiefe nötig. Große Bestände können auch gefräst werden. |
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Unbedingt Schutzkleidung tragen. Der Hautkontakt führt in Kombination mit Sonnenlicht zu Rötungen, Schwellungen und Verbrennungen. |
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Beifuß-Ambrosie
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Einzelne Pflanzen (vor der Blüte) ausreißen. |
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Große Bestände mehrmals mähen - die Pflanzen treiben meist neu aus. |
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Späte und Kanadische Goldrute
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Zweimaliges Mähen bzw Jäten über mehrere Jahre. |
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Auch Fräßen und anschließende Einsaat sowie Abdecken mit UV-undurchlässiger Folie bringt Goldruten zum Absterben. |
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Neophytische Gehölze (Essigbaum, Götterbaum, Robinie, Spätblühende Traubenkirsche)
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Jungpflanzen ausreißen. |
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Werden Essigbaum, Robinie oder Götterbaum gefällt, bilden sie zahlreiche Wurzelsprosse und treiben neu aus! |
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Größere Bäume können durch Ringeln, also das ringförmige Entfernen der Rinde am Stamm, zum Absterben gebracht werden. |
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Unterlagen / Links
NeoFlora – Invasive gebietsfremde Pflanzen in Deutschland:
www.neophyten.de
B. Rey (2004): Informationsdossier Neophyten. Gefahren, Lebensräume, Bekämpfung, Naturschutzgebiete, Infoblätter. Büro für Natur- und Landschaftsschutz des Kantons Freiburg (RUBD),
Download pdf (839 kb)
K. Stroh (2005): Neophyten – Neulinge in der Pflanzenwelt. Umweltberatung Bayern im Bayerischen Landesamt für Umweltschutz, Augsburg, 10 S.,
Download pdf (450 kb)
K. Stroh (2005): Neophyten – Pflanzenportraits. Umweltberatung Bayern im Bayerischen Landesamt für Umweltschutz, Augsburg, 11 S., Download pdf (450 kb)
Download pdf (484 kb)
Zentralverband Gartenbau (2008): Umgang mit invasiven Arten. Empfehlungen für Gärtner, Planer und Verwender. Zentralverband Gartenbau e.V., Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und Bundesamt für Naturschutz,
Download pdf (2.904 kb)
F. Reinhardt, M. Herle, F. Bastiansen, & B. Streit (2003): Ökonomische Folgen der Ausbreitung von Neobiota. Texte 79, Umweltbundesamt, Berlin, 248 S.,
Download pdf (1.373 kb)
Wallner, R. M. (Red.) (2005): Aliens. Neobiota in Österreich. Grüne Reihe des Lebensministeriums 15. Böhlau Verlag, Wien – Köln – Weimar, 283 S.
Kowarik, I. (2003). Biologische Invasionen – Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 380 S.