Naturnahe Begrünungen
Standortgerechte Vegetation entwickeln
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Naturtipps - Naturschutz und Artenschutz in der Praxis
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| • | Für eine erfolgreiche Begrünung sind die Standortverhältnisse entscheidend. Bereits bei der Geländegestaltung ist auf eine natürliche Ausformung zu achten. Zur Entwicklung artenreicher Pflanzenbestände, zB von Magerwiesen und Halbtrockenrasen, sind nährstoffarme Bodenverhältnisse Voraussetzung. Deshalb auf eine Humusierung und das Ausbringen anderer nährstoffreicher Substrate wie Klärschlammkompost verzichten. Die Vegetationsentwicklung auf mageren Flächen dauert zwar länger, der Pflegeaufwand ist jedoch deutlich geringer als auf nährstoffreichen, produktiven Standorten, die häufiger gemäht werden müssen. Bei nährstoffreichem Ausgangssubstrat, zB auf ehemaligen Ackerböden ist vor der Begrünung eine Aushagerung des Bodens empfehlenswert:
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| • | Standortgerechtes, regionales Saatgut verwenden, das an die lokalen Gegebenheiten angepasste Ökotypen enthält. Auch bei der Übertragung von Mähgut sind geeignete Spenderflächen mit vergleichbaren Standortbedingungen in der nähren Umgebung zu suchen. => mehr zum Thema Allochthon - Autochthon | ||||||||||
| • | Je nach Standort und Begrünungsziel die am besten geeignete Methode auswählen. Dabei können auch unterschiedliche Verfahren kombiniert werden, zB Ansaat mit Heugrassaat. In sensiblen Lebensräumen wie Mooren oder im Hochgebirge ist die Etablierung artenreicher, natürlicher Pflanzenbestände eine große Herausforderung. Die Artenvielfalt alpiner Rasen lässt sich durch eine Saatgutmischung kaum erreichen. Die Einsaat bewirkt jedoch, dass sich relativ rasch eine geschlossene Pflanzendecke und damit auch ein Schutz vor Erosion entwickelt. Um gleichzeitig die natürliche Artenvielfalt zu erhalten, ist eine Kombination mit Mähgutübertragung (Heugrassaat) oder Oberbodenauftrag sinnvoll. | ||||||||||
| • | Den richtigen Begrünungszeitpunkt wählen. Pflanzen brauchen zum Keimen nicht nur entsprechende Temperaturen, sondern auch genügend Feuchtigkeit. Besonders im Hochsommer, wenn der Boden stark ausgetrocknet ist, kann es zu Problemen kommen. Generell werden bei Herbstansaaten Kaltkeimer und bei Frühjahrsansaaten Warmkeimer begünstigt. |
| • | Oberbodenauftrag. Dies ist die optimale Begrünungsmethode. Durch das Wiederaufbringen von Rasensoden, also dem durchwurzelten Oberboden mit der Vegetation, lassen sich schnell gute Erfolge erzielen. Neue Wirtschaftswege können so rascher in die Landschaft eingegliedert werden. Die Rasensoden werden dazu vor dem Eingriff vorsichtig abgetragen. Sie sollten möglichst nicht länger als zwei bis drei Wochen zwischengelagert werden, bevor sie wieder ausgebracht werden. Bei steilen Böschungen werden die Rasenziegel mit Holznägeln befestigt. Bei längerer Lagerung ist möglichst darauf zu achten, dass Wurzelschicht auf Wurzelschicht und Vegetationsschicht auf Vegetationsschicht zu liegen kommt. Sind nicht ausreichend Rasenziegel vorhanden, sollten sie mosaikartig ausgebracht und die Lücken zwischen den Stücken eingesät werden. Die ursprüngliche Vegetation kann dann die Lücken allmählich wiederbesiedeln. Weniger aufwändig ist, nur den Mutterboden ohne Vegetation abzutragen und nach Abschluss der Bauarbeiten wieder aufzubringen. Da im Boden zahlreiche Erneuerungsorgane wie Samen, Rhizomteile oder Wurzeln bodenständiger Arten vorhanden sind, entwickelt sich meist ohne weitere Einsaat relativ schnell eine standortgemäße Vegetation. |
| • | Begrünung mit Mähgut (Heugrassaat, Mähgutübertragung): Dazu wird die Fläche mit Mähgut einer Spenderfläche mit ähnlichen Standortbedingungen abgedeckt. Die Herkunftsfläche sollte dann gemäht werden, wenn der höchste Anteil an reifen Samen vorhanden ist. Es ist auch möglich, etappenweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu mähen, um möglichst viele Stadien der Samenreife zu erfassen. Das Mähgut kann sofort nach der Mahd oder nach dem Trocknen als Heumulchsaat ausgebracht werden. Beim Wiesendrusch- bzw Heudrusch-Verfahren wird das Schnittgut vor dem Ausbringen zusätzlich gedroschen und grob gereinigt. Es ist darauf zu achten, dass nicht zuviel Heugras ausgebracht wird, da die Samen bei zu dichter Streuauflage kaum keimen. Als Faustregel gilt: Das Heugras der Spenderfläche auf der doppelten zu begrünenden Fläche ausbringen. Stammt das ausgebrachte Material aus der unmittelbaren Umgebung, können sich lokale Ökotypen und regionaltypische Artenkombination etablieren. Mähgutübertragung ist deshalb zur Renaturierung ökologisch wertvoller Pflanzengesellschaften gut geeignet – vorausgesetzt, dass entsprechende Spenderflächen zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass durch das Mähgut eine mehr oder weniger geschlossen Streuauflage erzeugt wird, die als schützende Schicht wirkt und die Keimung erleichtert. Die Verdunstung wird verringert und Temperaturschwankungen werden abgemildert. Mit dem Mulchmaterial werden zudem Mirkoorganismen und Kleintiere übertragen, die die Entwicklung des Bodenlebens fördern. Indem die Aufprallenergie von Regetropfen verringert wird, schützt die Mulchauflage schon vor dem Aufkommen der Pflanzen vor Erosion. |
| • | Ansaat ist die am häufigste eingesetzte Begrünungsmethode. Der Erfolg wird ganz entscheidend von der Saatgutzusammensetzung bestimmt. Artenreiche Pflanzengesellschaften können kaum in ihrem gesamten Artenspektrum durch eine Saatmischung entwickelt werden. Im Idealfall wird die Mischung gezielt für die zu begrünende Fläche zusammengestellt - als Orientierung dienen Vegetationsaufnahmen aus floristischen Kartierungen. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass im Saatgut ausschließlich standortgerechte, heimische Arten enthalten sind! Regionale Kleinarten sind in den meisten Fällen allerdings nicht erhältlich. |
| • | Spontane Begrünung ohne Ansaat. Die Fläche wird sich selbst überlassen. Gut geeignet ist diese Strategie zB entlang von naturnahen Fließgewässern, wenn in der Umgebung ein entsprechendes Saatgutpotential vorhanden ist. Das Begrünungsergebnis wird vor allem durch die Substrat- und Standortverhältnisse bestimmt. Durch das Ausbringen von Geotextilien oder Mulchstoffen, die als „Samenfänger“ wirken, kann der Verleib und die Keimung angewehter Samen gefördert werden. Die Tolerierung natürlicher Sukzession fördert in vielen Fällen seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Es besteht jedoch auch die Gefahr, dass sich problematische Neophyten ansiedeln. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig, um bei Entwicklung von Problempflanzen frühzeitig entsprechende Maßnahmen zu treffen. => mehr zum Thema Neophyten |
| • | Bei der Deckfruchtsaat wird Winterroggen, Hafer oder Gerste in den Boden eingebracht. Darauf wird angesät. Das schnell entwickelnde Getreide deckt offene Stellen rasch ab. Zwischen dieser „Deckfrucht“ entwickelt sich die eigentliche standortgerechte Vegetation. In tieferen Lagen muss die Deckfrucht rechtzeitig (bei einer Wuchshöhe von maximal 30 cm) abgemäht werden, damit die gewünschte Dauervegetation nicht wieder verdängt wird. Dieses Verfahren eignet sich für steilere, stark exponierte Flächen. |
| • | Bei Decksaaten werden die Samen mit Heu oder Stroh abgedeckt und oft zusätzlich noch mit Bitumen verklebt. Dies schützt Samen und Boden vor Wind- und Wassererosion. Die Bitumendecke fördert die Keimung. Wenn sie zu dick ist, behindert sie allerdings das weitere Wachstum der Jungpflanzen, weil sie wenig Licht durchlässt und den Temperaturhaushalt des Bodens verändert. Bitumendecken sollten daher nur dünn aufgebracht werden, so dass der abgedeckte Boden noch sichtbar ist. |
| • | Bei Nassspritzverfahren wird das Saatgut mit Dünger, Mulchstoffen, Bodenhilfsstoffen, einem Klebemittel und Wasser vermischt und anschließend auf die zu begrünende Fläche gespritzt. Mit dieser Methode lassen sich selbst steile Böschungen mit glatter Oberfläche begrünen. Im Extremfall werden Nassspritzverfahren sogar vom Hubschrauber aus eingesetzt. Es ist auch möglich, das Samengemisch auf ein vorher als Erosionsschutz ausgebrachtes Jutenetz aufzubringen. |
| • | Bei steilen, erosionsgefährdeten Standorten mit extremen Standortverhältnissen werden nach der Ansaat häufig Geotextilien aus Kokosfasern, Jute, Kunststoff oder Draht zum Oberflächenschutz aufgebracht. Je nach Material schützen sie vor Steinschlag, Schneeschub und Erosion. Netze aus natürlichen Materialien verrotten innerhalb von 1 bis 4 Jahren, verzinkte Eisen- und Kunststoffnetze haben eine Lebensdauer von etwa 30 Jahren. Wichtig ist, keine zu dichten Netze zu wählen, die die Keimung und das Wachstum der Pflanzen behindern. |
| • | Bei Saatmatten sind die Samen sowie Holzwolle, Kokosfasern, Hanf, Stroh oder anderen Naturfasern mit einem feinen Jutenetz versteppt. Saatmatten funktionieren nur bei gutem Bodenkontakt und können deshalb nur auf flacheren Standorten mit glatten Oberflächen eingesetzt werden. |
