Blumenwiese
Blütenpracht statt Monotonie
![]() |
Naturtipps - Naturschutz und Artenschutz in der Praxis
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|

| • | Geeignet sind wenig trittbelastete, möglicht sonnige Standorte. Dies können Privatgärten sein, Flächen in öffentlichen Parks, Wiesen in Betriebsgelände oder auch Verkehrsrandflächen. |
| • | Wichtig sind nährstoffarme und im Idealfall gut wasserdurchlässige Böden. Bei hohem Nährstoffgehalt ist der Abtrag der obersten Bodenschicht oder das Untermischen von Sand bzw feinem Kies zur Ausmagerung zu empfehlen. Bei Baumaßnahmen sollte dies von vorneherein berücksichtigt und auf die übliche Humusierung verzichtet werden. Je magerer der Boden, desto einfacher lässt sich eine Blumenwiese erhalten. Denn auf nährstoffreichen Standorten dominieren nach wenigen Jahren einige wenige Wiesengräser, die auch in herkömmlichen Wirtschaftswiesen verbreitet sind. |
| • | Für die Ansaat ist offener Boden notwendig. Es ist zwecklos, Blumen in dichte, bestehende Rasen zu säen. Sollen herkömmliche Zierrasen zu Blumenwiesen entwickelt werden, hilft meistens nur eine radikale Vorgehensweise: Der Fläche wird umgegraben oder durch maschinelles Fräsen und Eggen aufgebrochen. Verdichtete Böden sollten tiefgründig gelockert werden. Wird etwa drei Wochen nach dem Fräsen im Frühjahr oder Frühsommer bei trockener Witterung ein zweites Mal gefräst oder geeggt, vertrocknen die neu aufgelaufenen Keimlinge, wodurch die unerwünschten Arten reduziert werden. Sollen große Flächen in Blumenwiesen umgewandelt werden, kann dies sehr kostspielig werden. Eine Alternative in diesem Fall ist die sogenannte „Zebrasaat“: Dabei werden nur einige Meter breite Streifen in Blumenwiesen umgewandelt. Ziel ist, dass die Blumen im Laufe der Zeit auch in die angrenzenden Flächen einwandern. => mehr zum Thema Naturnahe Begrünungen |
| • | Das Saatgut entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Es sollte aus standortgerechten und heimischen Wiesenarten bestehen. Handelsübliche Billigmischungen enthalten meist einen hohen Anteil an einjährigen Ackerwildkräutern wie Mohn oder Kornblumen. Diese Ackerblumen blühen zwar im ersten Jahr, sind dann aber meist schon im zweiten Jahr wieder verschwunden. Zurück bleiben blütenarme Bestände. Die Heumulchsaat ist eine Alternative zu hochwertigen und daher auch recht teuren Qualitätssaatgutmischungen: Dazu wird frisches Mähgut einer blumenreichen Wiese aus der Umgebung, die im Sommer zur Zeit der Samenreife der meisten Pflanzen gemäht wird, in einer 2 bis 3 cm dicken Schicht ausgebracht. Entscheidend ist, dass das Mähgut rasch auf der „Empfängerfläche“ ausgebracht wird, da andernfalls die Samen noch auf der „Spenderfläche“ ausfallen. Das Mähgut wird etwa im Verhältnis 1 : 2 (Spenderfläche : Empfängerfläche) verteilt. Es macht großen Spaß, das Saatgut für kleine Blumenwiesen selbst zu sammeln. Viele Blumen wachsen an Wegrändern oder Dammböschungen, wo sie - ohne gegen geltende Naturschutzbestimmungen zu verstoßen – leicht zu finden sind. Positive Nebeneffekte sind, dass garantiert regionaltypische Pflanzen gesammelt werden und die Sammler diese auch noch kennen lernen. |
| • | Wiesenpflanzen sind Lichtkeimer. Deshalb sollte das Saatgut nicht in die Erde eingearbeitet, sondern nur mit einer Rasenwalze oder mit Brettern gut angedrückt werden. Meist sind nur wenige Gramm Samen pro m² erforderlich. Für eine gleichmäßige Aussaat dieser geringen Mengen wird das Saatgut am besten mit reichlich trockenem Sand oder mit Sägemehl vermischt. Bei der Aussaat muss der Boden feucht sein, auch in den ersten Wochen nach der Ansaat darf die Fläche nicht austrocknen. |
| • | Eine Alternative zu „klassischen“ einschnittigen Magerwiesen sind zweischnittige Glatthaferwiesen: Nährstoffarme Magerrasen, die ihr Blühmaximum etwa im Juni erreichen, sind zwar sehr artenreich, lassen sich aber nur schwer entwickeln. Auch sind sie nach dem Schnitt im Sommer nicht mehr besonders attraktiv. Oft ist aufgrund der Wüchsigkeit allerdings von vorneherein ein zweiter Schnitt im Herbst erforderlich. Da bietet sich an, gleich zweischnittige Glatthaferwiesen zu entwickeln, die auf trockenen Standorten artenreiche und sehr bunte Lebensgemeinschaften bilden. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren Glatthaferwiesen in vielen Regionen die typischen Wirtschaftswiesen. Wenn Blumen wie Wiesensalbei und Wiesenflockenblume gezielt gefördert werden, erreichen Glatthaferwiesen im Spätsommer oder Frühherbst ein zweites Blühmaximum. |
| • | Laufen in der neu angesäten Fläche viele unerwünschte Arten auf, die noch als Samen oder Pflanzenteile im Boden vorhanden waren, ist nach acht bis zehn Wochen ein erster Pflegeschnitt erforderlich. Dabei sollte nicht tiefer als 8 bis 10 cm gemäht werden. Dies unterstützt die langsamer wachsenden Arten der Blumenwiesen. Es ist zu beobachten, ob weitere Pflegeschnitte erforderlich sind. Besonders hartnäckige Arten wie Stumpfblättriger Ampfer sollten möglichst frühzeitig ausgestochen und mit den Wurzeln entfernt werden. |
| • | Bodenbeschaffenheit und die Wüchsigkeit der Wiese bestimmen die Schnitthäufigkeit. Es kann nicht nur zu häufig, sondern auch zu selten gemäht werden! Meist sind zwei bis drei Schnitte pro Jahr erforderlich. Manche Blumen, beispielsweise die Wiesenflockenblume, blühen in Zweischnittwiesen im Spätsommer oder Frühherbst, wenn nur noch wenige andere Wiesen in Blüte stehen. Am besten dann mähen, wenn der Großteil der Pflanzen Samen gebildet hat. |
| • | Die Mahd mit der Sense schont die Tierwelt, zudem können noch nicht verblühte Wiesenblumen gezielt stehen gelassen werden. Bei größeren Wiesenflächen ist der Einsatz eines Balkenmähers aus ökologischer Sicht die beste Alternative. Die Schnitthöhe sollte möglichst nicht unter 8 bis 10 cm liegen. => mehr zum Thema Tierschonende Mahd |
| • | Das Schnittgut wird zwei bis drei Tage auf der Fläche getrocknet, damit die Samen herausfallen können. Danach sollte es aber entfernt werden. Es ist als Tierfutter zu verwenden oder zu kompostieren. |
| • | Mit Rücksicht auf die tierischen Wiesenbewohner sind Rückzugsmöglichkeiten zu erhalten, indem nicht die ganze Wiese auf einmal gemäht wird. Möglich ist auch, zwei- bis dreimähdige Bereiche mit einschnittigen Bereichen abzuwechseln. Werden Randflächen nur alle zwei Jahre gemäht, entstehen wertvolle Saumbereiche mit Hochstauden. |
| • | Die Entwicklung einer echten Blumenwiese braucht Zeit. Bis sich eine stabile Pflanzengemeinschaft eingestellt hat, dauert es mehrere Jahre. Der Erfolg ist frühestens im zweiten oder dritten Jahr zu erkennen. Leider fehlt vielen Gartenbesitzern und auch den für die öffentlichen Grünflächen Verantwortlichen die Geduld hierfür. Hier ist Informationsarbeit wichtig. |
| • | Auch Rasenflächen werden bunter, wenn sie nur einmal im Monat gemäht werden und auf Düngung und Herbizide verzichtet wird. So können sich Kräuter wie Gänseblümchen, Löwenzahn, Ehrenpreis, Hahnenfuß oder Braunelle ansiedeln, die Fläche bleibt aber trotzdem begehbar und als Spielwiese nutzbar. Möglich ist auch eine Kombination aus stark trittbelasteten Rasenflächen und Blumenwiesen in den Randbereichen. |
