Vogelschlag
Tod durch Kollision mit Glasscheiben
Unzählige Vögel sterben infolge von Kollisionen mit Glasscheiben. Glas ist durchsichtig und wird von Vögeln nicht als Hindernis wahrgenommen. Zusätzlich reflektiert Glas die Umgebung und spiegelt die Landschaft. Aber nicht nur Glasfassaden und Fenster sind eine Gefahr, auch an Lärmschutzwänden, Wartehäuschen, Verbindungsgängen oder überdachten Fahrradständern sind Glasscheiben Ursache für den Tod zahlreicher Vögel. Besonders bei modernen Gebäuden ist Vogelschutz eine Herausforderung für Architekten.
Fenster als Hindernis sichtbar machen
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Bei Fenstern reicht oft schon das Anbringen von Jalousien, Rollos, Gardinen oder Streifenvorhängen. Auch bunte Fensterdekorationen (zB mit Fensterbildern) oder auffällige Aufkleber erhöhen die Wahrnehmbarkeit für Vögel. |
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Prinzipiell gilt, nur eine dichte, flächige Markierung hilft. |
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Ein Anbringen an der Fensteraußenseite ist besser als an der Innenseite, weil dadurch auch die Reflexion der Umgebung verhindert wird. |
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Als sehr wirkungsvoll haben sich senkrechte, 2 cm breite Klebestreifen im Abstand von 10 cm erwiesen. Verwendet man 1 cm breite Klebestreifen, sollte der Abstand zwischen den Streifen 5 cm betragen. |
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Bestehende Glasflächen können auch mit einem Sandstrahlgebläse flächig oder in Form eines Streifenmusters oder Rasters mattiert werden. |
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Auch das Anbringen feinmaschiger Netze, zB von Bird Screens, außen vor den Glasflächen wirkt. |
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VViele Vögel können UV-Licht wahrnehmen. Da Staub UV-Licht absorbiert, sehen Vögel schmutzige Fenster besser als saubere. Bei Bürogebäuden mit flächigen Glasfassaden wird empfohlen, nur einmal möglichst früh im Jahr zu reinigen. UV-Reflexion ist auch der Grund, warum das Betupfen der Fenster mit Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auf der Außenseite funktioniert (weitere Infos). Die Dr. Kolbe GmbH bietet einen Stift (Birdpen) an, mit dem für den Menschen nahezu unsichtbare UV-Markierungen an Fenstern angebracht werden können. In Versuchen konnte dadurch der Scheibenanflug um zwei Drittel reduziert werden. |
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Ungeeignet sind schwarze Greifvogel-Silhouetten. Sie haben keine abschreckende Wirkung auf Singvögel und sind oft nur schwer erkennbar. |
Großflächige Glasflächen vermeiden
Beim Neubau sollten große Glasflächen von vornherein vermieden werden.
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Milchglas, Kathedralen-Glas, Glasbausteine, mattiertes oder strukturiertes Glas sind Alternativen, wenn es nur um Licht geht und Sicht nebensächlich ist. |
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Anstatt seitlicher Fenster können Oberlichter eingesetzt werden. |
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Es sollte prinzipiell nur reflexionsarmes Glas verwendet werden. |
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Die Firma Isolar bietet ein spezielles Vogelschutzglas an, das von Vögeln besser wahrgenommen wird als herkömmliches Fensterglas. |
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Auch die Unterteilung der Fenster mit Sprossen hilft, Vogelschlag zu vermeiden. |
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Nach außen geneigte Scheiben sind eine wirkungsvolle Maßnahme, um zu verhindern, dass Vögel in eine Glasfront fliegen. Allerdings muss der Winkel mindestens 20° betragen. |
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Wenn große Glasflächen unumgänglich sind, sollte die Umgebung möglichst unattraktiv für Vögel gestaltet werden; dh zB, dass keine Bäume und Sträucher gepflanzt werden. An transparenten Lärmschutzwänden mit Begrünung ist die Kollisionsrate bis zu viermal höher als an gehölzfreien Strecken. |
Was tun mit Vogelschlagopfern?
Fliegen Vögel mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Glasscheibe, führt der Zusammenstoß meist sofort zum Tod durch Genickbruch oder Hirntrauma. Bei einer Kollision mit geringer Geschwindigkeit überleben die Tiere oft. Sie sitzen danach oft völlig regelungslos am Boden und sind wehrlose Opfer für Katzen und Hunde. Solche Vögel lassen sich problemlos einfangen:
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Sind keine äußeren Verletzungen erkennbar, setzt man den Vogel in einen verschließbaren, mit Luftlöchern versehenen Karton oder eine Kiste mit glatten Wänden (auf keinen Fall in einen Gitterkäfig) und lässt ihn an einem ruhigen, abgedunkelten, nicht zu kalten Ort für einige Zeit in Ruhe. |
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Nach einiger Zeit kann versucht werden, ihn wieder frei zu lassen. Wenn der Vogel nicht ernsthaft verletzt ist, hat er sich inzwischen wieder erholt und fliegt davon. |
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Hat sich sein Zustand nicht gebessert oder sogar verschlechtert, leidet er wahrscheinlich an inneren Verletzungen. Genauso wie bei erkennbaren äußeren Verletzungen kann ein Tierarzt, ein Tierauffang- und Pflegestation, eine Vogelwarte oder ein Zoo weiterhelfen. Die Überlebenschancen für das Tier stehen allerdings schlecht. |
Unterlagen / Links
H. Schmid (2006): Vogelkiller Glas. Merkblatt der Schweizerische Vogelwarte Sempach, 4 S.,
Download auf
www.vogelglas.info
H. Schmid, P. Waldburger & D. Heynen (2008): Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht. Schweizerische Vogelwarte, Sempach, 49 S.,
Download pdf (7.515 kb)
Birds & Buildings Forum:
www.birdsandbuildings.org
Waldburger, P. (2007): Glas und Vogelschutz, Vertiefungsarbeit Masterkurs Architektur, Fachhochschule Zentralschweiz und Fachhochschule Nordwestschweiz, 32 S.,
Download pdf (1.582 kb)
Wiener Umweltanwaltschaft - Vogelanprall an Glasflächen:
wua-wien.at
J.-P. Biber (1998): Transparente Schallschutzwände und Vogelschlag - eine aktualisierte Kurzversion des Berichtes "Transparente Schallschutzwände an Strassen und Vogelschlag". Im Auftrag der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, 6 S.,
Download pdf (169 kb)
K. L. Marty, A. J. Miller Ball, E. E. Niciu, D. C. Keck, D. Klem & C. T. Platt (2004): Effects of window angling, feeder placement, and scavengers on avian mortality at plate glass. Wilson Bulletin, 116 (1): 96-7,
Download pdf (2.022 kb)
N. Zbinden (2003): Verletzte und kranke Vögel - Was tun? Merkblatt für die Vogelschutzpraxis, SVS & Schweizerische
Vogelwarte,
Download pdf (25 kb)