Nisthilfen für Insekten
Artenhilfe für Wildbienen und andere Hautflügler
Hautflügler sind nach den Käfern und Schmetterlingen die drittgrößte Insektengruppe. Zu ihnen zählen zB Wildbienen, Hummeln und Wespen. Die meisten Arten sind völlig harmlos und leisten wichtige Dienste als Pflanzenbestäuber und Schädlingsvertilger.
Heute sind viele Arten gefährdet und stehen auf den Roten Listen. Neben Nutzungsintensivierungen und Umweltbelastungen durch Insektizide spielt auch der Rückgang geeigneter Nistplätze eine Rolle. An modernen Hausfassaden finden Mauerbienen und andere Hautflügler kaum Nischen und Fugen für ihre Nester. Auch morsche Bäume und alte Zaunpfähle sind in modernen Wohngebieten selten anzutreffen.
Niströhren
Eine einfache Möglichkeit, Niströhren für Hohlraumbewohner zu schaffen, sind Bambusrohe mit einem Innendurchmesser von 3 bis 20 mm.
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Hinter den Knoten absägen und die entstehenden Stücke einzeln und waagrecht in Backsteinen oder als Bündel in Tonröhren, PVC-Rohre oder Konservendosen auszulegen. Die Stücke können mit etwas Gips befestigt werden oder mit Hilfe von Lehm auf einem Brett in Etagen aufgestapelt werden. |
Nistblöcke
In gelagertes, entrindetes und chemisch unbehandeltes Hartholz (zB Eiche, Buche oder Esche) im Abstand von mindestens 2 cm Löcher mit einem Durchmesser von 2 bis 10 mm bohren.
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Die Nistgänge sollten mindestens 5 cm tief sein. Am besten ist es, verschiedene Durchmesser anzubieten, wobei die meisten Löcher zwischen 3 und 6 mm breit sein sollten. |
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Die Oberfläche wird mit feinem Sandpapier geglättet, das Bohrmehl ausgeklopft und die Bohrlöcher von Holzfasern gereinigt. |
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Die Nisthölzer in sonniger und wettergeschützter Lage an Gebäuden, Mauern, Pfosten und Bäumen montieren. Wenn nötig, mit einem kleinen Regendach versehen. Auch Ziegel, die mit Löchern in verschieden Durchmessern versehen werden, bieten idealen Unterschlupf für Wildbienen und andere Insekten. |
Niststängel
Manche Wildbienen nagen ihre Bruthöhlen in das weiche Mark abgebrochener oder abgeschnittener Stängel.
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Für sie kann man im Herbst etwa 1 m lange Triebe von Brombeeren, Himbeeren, Holunder oder Heckenrosen schneiden, die Seitentriebe entfernen und an einem trockenen Ort den Winter über aufbewahren. |
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Im Mai werden die Stängel senkrecht oder leicht geneigt aufgestellt: Einfach in den Boden stecken oder einzeln oder in Bündeln an Stangen, Pfählen oder Zäunen festbinden. |
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Die Stängel müssen bis im folgenden Sommer unverändert belassen werden, da die Larven der Bienen im Stängel überwintern. |
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So manches Bienennest wird vor Zerstörung bewahrt, wenn verblühte Doldengewächse und Disteln stehen gelassen werden. |
Totholz
Totholzbewohner benötigen abgestorbenes, morsches Holz.
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Ihnen hilft, wenn man abgestorbene Bäume stehen lässt. |
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Ist das nicht möglich, können die Äste des abgestorbenen Baumes zu einem Haufen gestapelt und bis zur völligen Verrottung liegen gelassen werden. |
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Auch Baumstümpfe mit verrottenden Wurzeln oder alte, morsche Zaunpfähle sind Unterkunft für Totholz bewohnende Insekten. |
Lehmkisten und Sandhaufen
Im Boden nistende Arten unter den Wildbienen benötigen sandiges oder lehmiges Substrat. Sie besiedeln zum Beispiel sonnige, trockene Böschungen mit schütterem Bewuchs oder Mauern mit Lehm als Fugenfüllung.
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Geeignete Nisthilfe sind zB Eternitkisten, die mindestens 15 cm hoch mit feuchtem Lehm gefüllt werden, in den mit einem kleinen Stöckchen kurze Gänge von 5 bis 8 mm Durchmesser gebohrt werden. Der Lehm darf nicht zu hart sein - im trockenen Zustand sollte er sich mit dem Fingernagel abschaben lassen. |
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Diese „Mini-Steilwände“ werden an sonnigen, südexponierten Stellen, die vor Regen geschützt sind, aufgestellt. |
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Auch breite Fugen auf Wegen oder Plätzen, die mit Sand oder Lehm gefüllt sind, werden als Nistquartier genutzt. |
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Für manche Arten sind Hilfsmaßnahmen besonders einfach: Es genügt, Sandhaufen aufzuschütten und auf diese Weise Trockenstandorte zu schaffen. |
Hummelnistkästen
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Oberirdische Hummelkästen werden an wettersicheren, sonnigen Stellen, zB auf der Terrasse oder am Balkon, aufgehängt. Das Flugloch sollte möglichst nach Osten zeigen.
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Einfache Hummelkästen (ca 30 x 30 x 20 cm groß) können aus unbehandelten Holzbrettern (etwa 2 cm dick) gebaut werden. Das Bodenbrett muss etwas größer sein, so dass vor dem Einflugloch am Kastenboden mit 1,5 bis 2 cm Durchmesser eine Leiste zum Anflug entsteht. Der Kasten wird mit Kleintierstreu oder Holzwolle sowie Moos oder Polsterwolle gefüllt. |
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Die „Luxusvariante“ (etwa 40 x 40 x 40 cm) ist aus Nadelholz oder Holzbeton gefertigt und weist eine Landeplattform und einen kleinen Vorraum auf, der das Eindringen von Mäusen, Käfern, Wachs- oder Kuckucksmotten erschwert. Im Innenraum befindet sich ein geschlossener Pappkarton, der am Boden mit Kleintierstreu bedeckt ist. Eine Mulde mit etwas Polsterwolle unter einem Deckkarton dient als Nest. Ein leicht ansteigender Laufgang von 2 bis 3 cm Breite verbindet das Schlupfloch des Kartons mit dem Nistkastenausgang. |
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Im Winter müssen die Kästen gründlich gereinigt und das Nistmaterial ausgetaucht werden. | |
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Bauanleitung: Aktion Hummelschutz, www.hymenoptera.de, wildbienen.de, | |
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Unterirdische Hummelnistkästen sind umstritten, da sie bei starkem Regen mit Wasser volllaufen und die Hummeln ertrinken können. Zudem gestaltet sich die Reinigung bei unterirdischen Kästen wesentlich schwieriger.
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Die einfachste Nisthilfe für im Boden lebende Hummeln besteht aus einem mittelgroßen Ton-Blumentopf, dessen Abflussloch auf einen Durchmesser von 2 cm erweitert wird. Der Topf wird mit dem Boden nach oben über einer dünnen Steinplatte oder Dachziegeln vergraben und etwa zur Hälfte mit Moos oder Kleinstierstreu gefüllt. Um die Nisthilfe vor Überflutung zu schützen, Einflugöffnung mit einem gewölbten Firstdachziegel oder einer Steinplatte überdachen. Aus diesem Grund auch nie in einer Senke vergraben, sondern möglichst in einer kleinen Anhöhe, damit eindringendes Wasser gut abfließen kann. Dass Füllmaterial muss einmal im Jahr im Winter ausgewechselt werden. |
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Ein unterirdischer Holz-Hummelkasten (Maße etwa 35 x 35 x 30cm) besteht aus unbehandelten, Fichten, Kiefern- oder Lärchenholzbrettern. An die Oberfläche führt eine 50 bis 70 cm lange Einschlupfröhre (Innendruchmesser etwa 3 cm) aus Ton oder zusammengerollter Dachpappe, die in der unteren Kastenhälfte befestigt ist. Auch dieser Hummelkasten wird etwa zur Hälfte mit Nistmaterial (Holzwolle und Moos) gefüllt – einmal im Jahr im Winter auswechseln und Kasten reinigen. Der Kasten wird möglichst an einer erhöhten Stelle so vergraben, dass er 10 bis 15 cm mit Eder bedeckt ist. Wichtig ist, dass Wasser gut abfließen kann! Das Einschlupfloch mit ein paar Steinen umgeben und mit einer Steinplatte oder einem Dachfristziegel schützen. |
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Hornissenkästen
Hornissen nutzen alte Bäume mit Höhlen als Nistplatz. Finden sie keine natürlichen Nisthöhlen, beziehen sie immer wieder Vogelnistkästen. Die Nistkästen werden allerdings schnell zu klein für das wachsende Hornissennest.
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Wenn die Vorderseite des Nistkastens früh genug entfernt wird, kann das Raumangebot erweitert werden. |
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Als Schutz vor Vögeln sollte das Nest mit einem nicht zu enganliegenden Maschendraht umspannt werden. |
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Ein Regenschutz, der am Nistkastendach befestigt wird, ist wichtig. |
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Spezielle Hornissenkästen haben eine Grundfläche von 25 x 25 cm und sind etwa 50 cm hoch. Die Hornissen gelangen durch einen senkrechten Einflugschlitz ins Innere des Nadelholzkastens. Am Boden dient eine Spaltöffnung zur Belüftung und Feuchtigkeitsableitung.
=> Bauanleitung: hornissenschutz.de, Naturschutzzentrum Hessen |
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Das Flugloch sollte nach Nordost bis Südost weisen. |
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Der Einflugbereich soll frei von Ästen sein - Hornissen brauchen einen offenen Flugraum. |
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Die Nistkästen können in etwa 4 m Höhe an Waldrändern, Einzelbäumen oder Gebäuden angebracht werden. |
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Werden mehrere Kästen montiert, muss der Abstand zwischen ihnen je nach Deckungsgrad des Geländes mindestens 30 bis 100 m betragen, um Revierkämpfe zwischen den Hornissenvölkern zu vermeiden. |
Unterlagen / Links
W. R. Günzel (2007): Das Insektenhotel. Naturschutz erleben: Bauanleitungen, Tierportraits, Gartentips. pala-Verlag, Darmstadt, 156 S.
Schweizer Vogelschutz SVS - BirdLife Schweiz (2003): Wildbienennisthilfen. Kleinstrukturen-Praxismerkblatt 4,
Download pdf (108 kb)
Bienenhotel - Wildbienen - Nisthilfen – Bestäubung:
www.bienenhotel.de
H. Hintermeier & M. Hintermeier (2005): Bienen, Hummen, Wespen im Garten und in der Landschaft. Honigbienen, Hummeln, Solitärbienen, Wespen, Hornissen. 5. Auflage, Obst- und Gartenbauverlag, München, 140 S.
hymenoptera.de - Artenschutz:
www.hymenoptera.de
B. Schmelzer & A. Bezzenberger (1985): Pflanzenkatalog zur Verbesserung der Bienenweide und des Artenreichtums. Landschaft als Lebensraum, herausgegeben vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und Forsten, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe,
www.xfaweb.baden-wuerttemberg.de/nafaweb