Naturschutzbegründungen
Argumente für Natur- und Artenschutz
Dass unzählige Lebensräume und Arten gefährdet sind, ist unbestritten. Die Roten Listen werden ständig länger. In den letzten 150 Jahren ist die Aussterberate deutlich angestiegen. Während im Zeitraum von 1600 bis 1700 etwa alle zehn Jahre eine Säugetier- oder Vogelart verschwunden ist, stieg diese Rate zwischen 1850 und 1950 bereits auf eine Art pro Jahr. Viele Arten verschwinden völlig unbemerkt, bevor sie überhaupt von der Wissenschaft entdeckt werden, denn von den geschätzten zehn bis 100 Millionen Arten sind erst etwa zwei Millionen bekannt.
Auch vor unserer Haustüre findet ein Rückgang der Artenvielfalt statt – Experten gehen davon aus, dass in den letzten Jahren über ein Fünftel der früher vorkommenden Arten aus unseren Dörfern verschwunden ist.
Folgende Gründe sprechen für den Erhalt und Schutz der Naturvielfalt:
Ökonomische Gründe ergeben sich aus der Notwendigkeit, Naturgüter zu nutzen, und zielen darauf ab, die Grundlagen für eine funktionierende Wirtschaft zu erhalten. Der langfristigen, nachhaltigen Sicherstellung der Nutzbarkeit kommt dabei besondere Bedeutung zu – ihr stehen nach wie vor oft überbewertete, meist mehr oder minder kurzfristige Nutzungsinteressen des Einzelnen oder einzelner Gesellschaftsgruppen entgegen.
Aus ökonomischer Sicht ist Naturschutz unter anderem nötig, um
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die Ernährung des Menschen sicherzustellen, |
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Rohstoffe zu erhalten, zB Holz, aber auch die Vielfalt an Inhaltstoffen von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen als Basis für Arzneimittel, |
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das genetische Potential einschließlich der unzähligen an lokale Standortverhältnisse angepassten Formen weiterhin nutzen zu können, zB in der Tier- und Pflanzenzucht, |
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essentielle abiotische Ressourcen wie Boden, Wasser und Luft zu schützen, |
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weiterhin von Ökosystem-Leistungen, beispielsweise der Bestäubung von Obstbäumen durch Bienen und Hummeln, zu profitieren – alleine in den USA erbringen Insekten jährlich Leistungen im Wert von über 57 Milliarden US Dollar! (weitere Infos)
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Auch die Natur selbst kann ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein, zB im Tourismus.
Forschungsbezogene Gründe beruhen auf der Notwendigkeit, natürliche Verhältnisse als Grundlage für Forschungen zu bewahren. Nur anhand intakter Ökosysteme ist es möglich zu verstehen, wie unbeeinflusste Natur funktioniert. Das Wissen über natürliche Wirkungsgefüge kommt wiederum der menschlichen Gesellschaft zugute.
Umweltpsychologische Gründe zielen – einschließlich ästhetischer Begründungen – auf die Wohlfahrtswirkungen von Natur und Landschaft auf den Menschen. Intakte Natur wirkt positiv auf Wohlbefinden und Lebensqualität und ist ein wichtiger Faktor für die physische und psychische Gesundheit des Menschen. Wir alle profitieren von naturnahen Landschaften, zB wenn wir uns im Grünen erholen.
Kulturhistorische Gründe fordern den Erhalt gewachsener Landschaften, die durch menschliche Nutzung entstanden sind. Dies gilt zB für die traditionelle Kulturlandschaft Mitteleuropas, wo Jahrhunderte lange, standortangepasste Bewirtschaftung vielfältige Lebensräume hervorgebracht hat, die nur durch eine Weiterführung der Nutzung erhalten werden können. Kulturelle Naturschutzbegründungen spielten bereits im Heimatschutz eine wichtige Rolle – es wurde eine maßvolle Nutzung der Natur unter Beibehaltung althergebrachter Traditionen – ohne hemmungslos auszubeuten und zu zerstören – gefordert.
Ethische Gründe sehen den Umgang mit der Natur als Spiegel der Gesellschaft und gehen von der Verantwortung des Menschen aus, seine Mitgeschöpfe zu erhalten. Die Natur muss entweder um ihrer selbst Willen geschützt werden, weil alle Organismen ein Ren, weil alle Organismen ein Recht auf Leben haben, oder zumindest um die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu erhalten. Jeder sollte deshalb so handeln, dass die Natur nicht bzw so wenig wie möglich beeinträchtigt wird.
Unterlagen / Links
H.-C. Neidlein & M. Walser (2005): Natur ist Mehr-Wert. Ökonomische Argumente zum Schutz der Natur. BfN-Skripten 154, Bundesamt für Naturschutz, Bonn – Bad Godesberg, 40 S.,
Download pdf (6,82 MB)
W. Bird (2007): Natural Thinking. Report for the Royal Society for Protection of Birds (RSPB) investigating the links between the Natural Environment, Biodiversity and Mental Health, 116 S.,
Download pdf (401 kB)
S. Körner, A. Nagel & U. Eisel (2003): Naturschutzbegründungen. Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg, 174 S.
Bird Life International (2007): Wellbeing through wildlife in the EU. RSPB, 23 S.,
Download pdf (1,83 MB)
M. Gorke (2004): Vom Eigenwert der Natur. Grundzüge einer Naturschutzethik. NABU Schleswig-Holstein, Neumünster,
Download pdf (857 kB)
IUCN Red List of Threatend Species:
www.iucnredlist.org